Auf das Wort gebaut
Matthäus 7,24-27 – 9. Sonntag nach Trinitatis

Vor nicht ganz zwei Wochen bin ich noch an der Ostsee am Strand entlang spaziert. Da sind Kinder im Sand gekniet und waren ganz versunken ins Bauen. Eine Sandburg höher und schöner als die andere. Später dann ist die Flut gekommen. Das Wasser droht die Prachtbauten wegzuspülen. Eifrig sind dann Staudämme und Abflusskanäle gegraben worden. Doch am Ende hat das Wasser gesiegt. Was auf Sand gebaut ist, hält eben nicht lange. Die Kinder tragen es mit Fassung, wenn am Ende die schönsten Bauwerke nur noch Matsch sind. Am Strand ist das ja nicht so schlimm.

Ums Bauen geht es auch im 7. Kapitel bei Matthäus. Jesus sagt:

»Wer diese Worte von mir hört und sie befolgt,
ist wie ein kluger Mensch:
Er baute sein Haus auf felsigem Boden.
Dann kam ein Wolkenbruch.
Die Flüsse traten über die Ufer,
die Stürme tobten und rüttelten an dem Haus.
Doch es stürzte nicht ein,
denn es war auf felsigem Untergrund gebaut.«

Erschreckend aktuell. In den letzten Wochen haben sich schöne kleine Bäche, die seit alters her durch pittoreske Orte fließen, in reißende Bestien verwandelt. Häuser wurden auseinanderrissen, Brücken zum Einsturz gebracht und ganze Straßenzüge ins Chaos verwandelt. Wiesen und Felder sind überschwemmt. Menschen sind in den Fluten gestorben. Viele sind immer noch vermisst. Menschen stehen vor Scherbenhaufen. Viele Existenzen sind vernichtet, Träume innerhalb von Minuten zerplatzt.

Viele dieser Menschen haben an sicheren Orten gebaut. Und die Häuser haben Jahrzehnte, Jahrhunderte gehalten. All die Jahre lang schien es, als hätten sie auf felsigem Boden gebaut. Bis zu diesem einen Tag. Als ihnen der Boden unter den Füßen weggebrochen ist.

Starkregen, Sturzbäche, versinkende Sandburgen, nasse oder trockene Keller: alles eine Frage des Fundaments?! »Worauf baust du?«, fragt dieser Sommer. Worauf baust du? Eine Frage für das Leben. Und die Geschichte geht noch weiter.

»Wer diese Worte von mir hört und sie nicht befolgt,
ist wie ein dummer Mensch:
Er baute sein Haus auf sandigem Boden.
Dann kam ein Wolkenbruch.
Die Flüsse traten über die Ufer,
die Stürme tobten und prallten gegen das Haus.
Da stürzte es ein und fiel völlig in sich zusammen.«

Eine knappe Pointe am Ende einer langen Predigt, eine klare Sache. Wenn die Regengüsse und Sturzbäche kommen, braucht man ein gutes Fundament, sonst fällt alles in sich zusammen. Auf das Fundament kommt es an, weil es festen Halt gibt. Und das hilft auch bei allen schweren Entscheidungen. So ein festes Fundament im Leben, und ein Keller, der immer trocken ist – das wäre ja schön. So einfach, wie es sich anhört, ist das aber nicht. Ich habe so meine Schwierigkeiten mit Menschen, die immer genau wissen, was richtig und was falsch ist, die keinen Zweifel kennen.

Die Kinder schauen sich am Strand immer voller Begeisterung an, wenn die Sandburg zwar noch steht, aber dann von unten das Wasser kommt und alles anfängt zu bröckeln. Bis alles ins Rutschen kommt und nur noch Matsch ist.

Aber wenn im wirklichen Leben etwas ins Wanken gerät, was einen bisher doch so gut getragen hat, ist das schrecklich. Den Keller immer schön trocken halten im Leben: Dafür gibt es keine Garantie. Jede und jeder macht Erfahrungen mit Starkregen und Sturzbächen im Leben. Sie kommen so unverhofft wie ein Schauer an einem Sommertag, der doch so schön angefangen hatte.

Zum Beispiel, wenn man schon einige Jahre verheiratet ist, Kinder und Beruf ganz gut unter einen Hut bekommen hat – aber irgendwie nur noch nebeneinander her lebt. Oder man freut sich schon auf die Pension zu zweit, auf eine schöne gemeinsame Zeit: und dann ist man plötzlich allein.

Eine Untersuchung, so wie jedes Jahr, nur zur Vorsorge und auf einmal macht der Arzt ein ganz ernstes Gesicht. Da fällt in sich zusammen, was doch das Leben tragen sollte. Worauf habe ich eigentlich gebaut? Was hält mich jetzt? Hält mich überhaupt noch etwas oder stürze ich ins Bodenlose?

Die Frage nach dem Fundament stellt sich dann, wenn es angegriffen wird. Das kann nach einem Platzregen passieren oder schleichend ins Leben sickern.

Worauf baust du? Was trägt dich? Wer diese Worte von mir hört und sie befolgt, ist klug, sagt Jesus. Die und der bauen richtig, haben ein Fundament, dem kein Starkregen und kein Sturzbach etwas anhaben kann. Bausteine nicht nur für das eigene Leben, sondern auch für das Leben in Gemeinschaft mit anderen.

»Wer diese Worte von mir hört und sie befolgt,
ist wie ein kluger Mensch:
Er baute sein Haus auf felsigem Boden.«

sagt Jesus und meint: Erkenne dich als göttliches Wesen. Und lebe dem entsprechend offen und zugewandt zu anderen. Diese Entdeckung befeuert die Gewissheit: Ich bin es wert, zu sein. Ich – gewollt und gebraucht. Ich – gemeint und achtsam vom Leben umhüllt. Ich – fürs Miteinander geschaffen. Alle Augenblicke der Zuneigung erheben mich im Leben, machen mich kostbar, geben Energie, mehr zu sein als nur zu funktionieren.

»Worauf baust du?«, hat mich der Sommer gefragt. Ich baue auf Gottes Wort. Worte, so eindeutig, wie ich es mir immer wünsche. Ich baue auf Worte, die mich beschämen, wenn ich auf die Uneindeutigkeiten in meinem Leben schaue. Ich baue auf Worte, die mich befreien von falschen Kompromissen. Ich baue auf Worte, die mich berauschen, weil sie sagen: Du kannst anders leben – und die mich reizen, weil sie sagen: Du musst anders leben. Worte, die mich trösten, im Leben und im Sterben. Worte, auf die ich bauen kann, in einem Sommer voller Starkregen und Sturzbäche und mein ganzes geliebtes Leben lang. Amen.

 

 


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