
Vom Leben im Licht
Johannes 1,5 – Konfirmation
„Un Cachito de Luz“, der soulige Rap-Track einer der bekanntesten spanischen Hip-Hop-Gruppen. „Un Cachito de Luz“ oder auf Deutsch: Ein bisschen Licht. Die Songs des vor mehr als 30 Jahren in Sevilla gegründeten Duos erzählen mit Witz und Ironie Geschichten über das Erwachsenwerden, den Alltag und soziale Probleme.
Da ist ein bisschen Licht in meiner Dunkelheit.
Ein Funken Hoffnung in schweren Zeiten. Das haben wir bitter nötig angesichts der vielen gleichzeitigen Krisen. Da ist die Sorge, dass sich die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten ausweiten. Vor allem junge Menschen befürchten Wohlstandverluste. Das sie sich das Leben, wie sie es jetzt kennen, in einigen Jahren nicht mehr leisten werden können. Andere sehen die ökologischen Entwicklungen als existenzielle Bedrohung. Dazu kommt ein Gefühl wachsender sozialer Spannungen. Und Erfahrungen persönlicher Benachteiligung und Ausgrenzung.
Die ständige Konfrontation mit schlechten Nachrichten in den Medien und das Gefühl, sie nicht lösen zu können, versetzt einen in Dauerstress. Ich spüre eine Art Finsternis, die sich auf die Welt legt. Und auf die Menschen. Wo ist ein Licht, das leuchtet und Mut macht? Wo ist jemand, der Hoffnung gibt? Das Johannesevangelium sagt dazu mit atemberaubender Sicherheit:
Das Licht leuchtet in der Finsternis,
aber die Finsternis hat es nicht angenommen.
Aber wer ist dieses Licht? Von wem kommt das gute Leben für die Menschen, das durch nichts bezwungen werden kann. Wie kann das geschehen, dass alles restlos von diesem Lebenslicht eingehüllt ist. Für das Johannesevangelium ist das keine abstrakte Idee, keine religiöse Spinnerei. Es ist ein Mensch. Ein Mensch aus Fleisch und Blut. Aber ein Mensch, der fähig war, Gott selbst zum Leuchten, zum Hören, zum Schmecken zu bringen: Jesus von Nazareth. So wie das Licht alles in Farbe verwandelt, so verwandelt er alles in Überfluss und Zuneigung.
Aber ist das nicht ein Märchen, eine Illusion? Nein, sagt das Johannesevangelium. Denn wer Gott vertrauen kann, wird dieses lichte Leben finden. Da fragst du dich vielleicht: Ja, kann ich das? So vertrauen, um im Licht zu sein? Mein Leben ist doch begrenzt und brüchig. Ich werfe Schatten auf andere.
Ich war nie perfekt.
Heißt es in dem Song von Zatu und Acción. Ich mache Fehler, kenne Zerrissenheit und Verwundungen. Narben wurden mir geschlagen, andere habe ich mir selbst zugefügt. Ich scheitere und bin verkrampft im Glänzen- und Blenden-Wollen. Da ist so viel ungelebtes Leben und manche vertane Chance.
Aber ich bin mehr als mein Scheitern und mein Gebunden-Sein an dies und jenes. Von Gott her bin ich groß gedacht. „Un Cachito de Luz“, da ist ein bisschen Licht, das das Böse vertreibt. Gott möchte, dass sich mein Leben nicht verdunkelt angesichts meiner Unvollkommenheit. Und ich muss mich nicht selbst zum Leuchten bringen. Es ist nicht mein Licht, mit dem ich glänzen will. Es ist Gottes Licht, das den Menschen leuchtet.
Ich wurde geboren, um mich zu verwandeln,
nicht um zu bleiben.
Ist eine andere Textzeile in dem spanischen Lied. Trotz Schwierigkeiten hast du dich verändert und weiterentwickelt. Du bist nicht mehr die Person, die du noch im vergangenen September am Beginn deiner Konfi-Zeit gewesen bist. Diese Entwicklung durften wir in der Gemeinde eindrucksvoll miterleben. Wie ihr immer mehr Boden unter den Füßen gewonnen habt. Und zu euren Fragen und Überzeugungen gestanden seid. Besonders bei eurem Gottesdienst im Februar war das spürbar. Und ihr habt euch Raum genommen in der Gemeinde. Offen und freundlich konnten wir euch erleben: im Gottesdienst, beim Kirchenkaffee, überall wo ihr mitgemacht habt. In all eurer Unterschiedlichkeit seid ihr einmalige, kostbare Jugendliche. Und die Christ-Königs-Kirche ist euch ein Stück Zuhause geworden.
Das Licht leuchtet in der Finsternis,
aber die Finsternis hat es nicht angenommen.
Wo Gott ist, da ist Licht. Er, der gesagt hat: »Es soll Licht werden!«. Gott kann nicht ohne das von ihm ins Leben gerufene Licht erscheinen. Beide gehören zusammen. Gott und Licht. Und wenn es von Jesus heißt, dass er das Licht in Person war (Joh 1,4), dann ist das auch von uns gesagt. Auch du und ich sind Licht gewordenes Leben Gottes. Wir sind sein Licht.
Das erleben und spüren wir heute in der Taufe und in der Konfirmation: Sophie wird hineingetaucht in den Überfluss göttlichen Lichts und Lebens. Wie ihr anderen es schon seid. Im Konfirmationssegen wird sichtbar, was immer schon Wirklichkeit ist: Ihr seid göttliche Wesen von allem Anfang an. Wo immer eure Schritte euch hinführen, wie immer ihr einmal werden werdet, es ist immer dieses göttliche Licht, das in euch und an euch lebendig ist. Und wir alle helfen als Eltern, Geschwister, Taufpatinnen, als Gemeinde mit, dass ihr, liebe Konfis, in der Gegenwart eures eigenen Lebens erkennt: mein tiefstes Wesen ist göttlich.
Das ist der Sinn der heutigen Feier: zu erkennen, wer wir sind. Darum sind wir zusammen. Das ist unsere Lebensaufgabe. Daran will uns das Evangelium erinnern.
Das Licht leuchtet in der Finsternis,
aber die Finsternis hat es nicht angenommen.
Wir werden einmal nicht gefragt, was wir alles geleistet haben, sondern nach unserem Sein. Wir werden gefragt, ob wir Gott gelebt haben. Heute sagen wir Ja zu diesem göttlichen Licht und einer Lebensweise, die dem entspricht. Denn es gibt nur ein Leben Gottes. Ein Leben im Licht. Dieses Licht, das hinter einer Wolke der Finsternis liegt, bleibt nicht mehr unsichtbar. Jesus Christus hat mit diesem Licht endgültig die Welt berührt. Und das gleiche Licht, das ihn durchpulst, bewegt auch dich und mich. Amen.